Nachruf

Dieses Weblog soll an den
großen Radsportenthusiasten, genialen Tüftler und Fahrradtechniker

Hans-Christian Smolik

* 30. März 1944
+ 2. August 2010

erinnern, der leider viel zu früh von uns gegangen ist. Frühere Leser der Radsport-Zeitschrift „Tour“ werden sich mit Wehmut an Smoliks Rubrik „Velo-Werkstatt“ erinnern. In unerreichter Anschaulichkeit vermochte der Dipl. Ingenieur die trockene Materie mit Humor und einprägsamen Formulierungen auch dem Laien nahezubringen.

Hier sei zunächst der Nachruf von Hans-Heinrich Pardey aus der FAZ vom 10. August 2010 widergegeben:

Der Tuner mit Feile und Bohrer

1981 meldete er eine im Rennrad-Bremsgriff untergebrachte Schrittschalt-Vorrichtung zum Patent an, aber kein Hersteller wollte haben, was heue alle anbieten: Bremsgriffe mit integrierten Schalthebeln. Hans-Christian Smolik hat auch eine „Einbeinige Felgenbremse“ erfunden, die mit nur einem beweglichen Schenkel auskam. Er hat ein – durch Reduzierung der Nabenflanschbreite – superschmal verpackbares Faltrad entwickelt und ein 3,7 Kilogramm leichtes Rennrad, das als Weltrekord herumgereicht wurde. Er entwickelte ein 26-Zoll-Mehrzweckrad, das mit einem Handgriff in zwei Teile zerlegt werden konnte, wobei zugleich Schalt- und Bremszug geteilt wurden. Die Teilung von Zügen war eine seiner Spezialitäten.

Vor allem aber hat der Ingenieur und frühere Langsteckenläufer Smolik, der 1977 verletzungsbedingt zum Fahrrad kam, jahrzehntelang viel und flott, oft auch polemisch formulierend geschrieben: Fachbücher und unzählige Artikel. Für mehr als eine Generation von Fahrrad-Enthusiasten und Leser der Zeitschrift „Tour“ war es als Kolumnist der Tuner und Gewichtsoptimierer schlechthin: Feilend, schmirgelnd und bohrend legte er bei den Erzeugnissen der Herren Shimano und Co. Hand an, Material abtragend und den erleichterten Teilen nicht selten eine ganz besondere Ästhetik verleihend. Bei seinen Seminaren und auf Messen war der Tüftler ein auf dem Gebiet der Fahrradtechnik rundherum beschlagener Gesprächspartner, den viele vermissen werden. Mit 66 Jahren ist Smolik in der vergangenen Woche nach schwerer Krankheit gestorben.

*

Hans-Christian Smolik fand seine letzte Ruhe auf dem Areal des Trauerwaldes von Spiegelau/Bayr. Wald in 755 m Höhe. Da immer mehr Radler heutzutage auch Geocacher sind, wurde unweit des
Trauerwaldes der Gedenk-Cache „Radlers Ruh'“ versteckt.

6 Antworten zu Nachruf

  1. Michael Bazyli schreibt:

    Ich kann mich noch sehr gut an die 80er Jahre erinnern,wir haben so manche Tage und Nächte in seiner Werkstatt verbracht und ich habe Christian auch einiges an Wissen , gerade zum Thema Rahmenbau, zu verdanken. Ich freue mich besonders, dass ich in letzter Zeit noch einigemal mit Ihm reden konnte!
    Ich möchte mich vor dem Menschen Hans-Christian Smolik und vor seinem schier unendlichem Fachwissen verneigen! Michael Bazyli

  2. Matis, der Junge aus Norwegen schreibt:

    Hallo Alle,
    ich hatte gestern auf der Terasse das Buch von Etzel „Bergwelt Griechenlands“ geblättert und mir ist auf den Photos das eine Gesicht bekannt vorgekommen.
    Nach meiner Recherge bin ich mit tiefer Trauer niedergeschlagen.
    Ich wußte nicht, dass der Radpapst Smolik gestorben ist.
    Mein Mitgefühl.
    Matis, der Junge aus Norwegen

  3. Ewald Johannes Damey schreibt:

    Hallo!
    Es spielt das Leben eigenartige Stücke. So wollte ich doch vor wenigen Tagen ein Buch von Dir kaufen. Doch mit bedauern und großer Trauer stelle ich fest, das du nicht mehr bist und dein Buch auch nicht. Da ich selber schraube, kenne ich die Welt von der du erzählt und geschrieben hast gut. Mein Mitgefühl der Familie und allen Menschen die ihm nahe standen und vermissen. „Nicht traurig sein, weil gegangen sondern froh das gewesen“. Danke für deine tollen Bücher Hans.
    Ewald der Radschmied

  4. stefan herrmann schreibt:

    Ich habe erst sehr sehr spät von Herrn Smoliks Tod erfahren. Ich war sehr traurig als ich das mitbekommen habe, obwohl ich ihn nie persönlich kennengelernt habe. Herr Smolik war für eine lange Zeit in meinem Leben eine echte Inspiration. Wo auch immer er jetzt ist: Ich möchte mich bei Ihm bedanken dafür, daß er einfach der war, der er eben war.
    Machen Sie´s gut!

  5. Dirk Schwann schreibt:

    Hallo. Mein Beileid für eine Icone der Radtechnik. Und: Gibt es noch eine Möglichkeit Ersatzteile zu bekommen. Für die Hinterradnabe Smolik 24 Speichen brauche ich die Lager und kompl. Achse, und die Speichen für die asymetrische Felge. Vielen Dank !!! (Abs.: dirkroaldschwann@aol.com, 17.11.2019) LG. D. Schwann.

  6. Hartmut Wagner schreibt:

    Das Dreigestirn in Tour: Carlsson Reinhard, Dr. Peter Konopka und HC Smolik. Das waren noch Zeiten. Sie schrieben mit Herzblut, die heutigen Redakteure eher mit Kettenöl, dafür technischer.
    Ich bin im gleichen Jahr wie Smolik geboren, lebe aber, wer weiß wie lange noch. Die gegnwärtigen Tourmacher wären gut beraten, über ihre drei Vorläufer, eine Hommage zu schreiben.
    Mein Rennradwahnsinn fing in den 80er Jahren mit einem Raleigh Brazil an, Exage, Hiten, 850 DM,
    Unicrown-Gabel. Dann folgte ein weißes Raleigh Ace, Shimano Santé, Reynolds 753 für 2000 DM,
    danach ein de Rosa, Dura Ace, Columbus SLX, mit Chrom und im Oberrohr verlegten Kabel.
    Es hing jahrelang an meiner Wohnzimmerwand, 4000 DM, danach ein wunderschönes blaues Gios-Torino, Campa Chorus, 3000 DM, dann ein Ralf Jantzen Alu, weiß, Campa Chorus, 3000 DM, danach ein rotes Cinelli Supercorsa, 3000 DM, danach ein blaues Cinelli Supercorsa, Campa Record, 3500 DM, dann gebraucht ein Colnago Masterolympic mit Campa Superrecord, 900 Euro, Shamal-Felgen und noch, auch gebraucht, ein Gios-Torino, blau, Vento-Felgen, 800 Euro.
    Von der ganzen Herrlichkeit geblieben ist mir mein blaues Cinelli, das immer noch schnurrt, wie frisch geboren.
    Und Erinnerungen an Touren zum Genfer See, von Donaueschingen und Passau nach Wien, an einen wunderbaren Urlaub in Les Vans in den Cevennen, zahllose Touren von Artá zur Ermita de Betlém auf Mallorca undundund.
    Ja, wo ist die Zeit geblieben? Ich werde nicht mehr allzu lange leben. Aber im Sattel, das war potenziertes Leben. Wie schön, irgendwelche Serpentinen hinunter zu rasen! Oder im Sattel über Probleme nachzudenken oder am Ufer der Ruhr von der Arbeit nach Hause zu fahren und im Juni den Kuckuck zu hören.

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